Muster-Probespielordnung

für Orchester in Deutschland


Artikel 1 (Aufgaben des Orchestervorstands)

Die Zuständigkeit für die Durchführung des Probespiels liegt beim Orchestervorstand. Er ist für den ordnungsgemäßen Ablauf verantwortlich.


Artikel 2 (Gleichbehandlung)

Alle Kandidatinnen und Kandidaten sind im Hinblick auf Einladungsfristen, Pflichtstellen und Orchesterliteratur gleich zu behandeln.


Artikel 3 (Teilnahme des Orchesters)

(1) Das Probespiel ist Dienst. Das ganze Orchester soll gesamtverantwortlich teilnehmen. Die Mitglieder der Fachbereiche sind zur Teilnahme verpflichtet. Am Probespiel um Stellen von Konzertmeistern, Stimmführern oder Solo-Positionen sind alle Orchestermitglieder zur Teilnahme verpflichtet.

(2) Als Fachbereiche gelten:

alle Streicher, wenn eine Streicherstelle zu besetzen ist,
alle Bläser, wenn eine Bläserstelle zu besetzen ist,
alle Schlagzeuger/Pauker, 1. Konzertmeister und Bläserstimmführer, wenn eine Schlagzeuger-/Paukerstelle zu besetzen ist,
alle Harfenisten und Streicherstimmführer, wenn eine Harfenstelle zu besetzen ist.

(3) Stimmberechtigt sind alle teilnehmenden Orchestermitglieder, deren Arbeitsverhältnis länger als 12 Monate ununterbrochen bestanden hat oder die ihre Probezeit bestanden haben.


Artikel 4 (Ausschreibung)

(1) Zu besetzende Stellen im Orchester sind öffentlich auszuschreiben.

(2) In der Ausschreibung kann ein von der jeweiligen Fachgruppe vorgeschlagenes Pflicht-Solostück für das Probespiel genannt werden.

(3) Als Fachgruppe gelten:

die 1. Violinen,
die 2. Violinen,
die Bratschen,
die Violoncelli,
die Kontrabässe,
die Flöten,
die Oboen,
die Klarinetten,
die Fagotte,
die Hörner,
die Trompeten,
die Posaunen und Tuba,
die Pauken und Schlagzeuge,
die Harfen.


Artikel 5 (Einladung zum Probespiel)

(1) Die Einladung zum Probespiel soll mindestens drei Wochen vor dem Probespieltermin versandt werden. Pflicht-Orchesterstellen, die im Einvernehmen zwischen Orchestervorstand, Fachgruppe und musikalischem Leiter bestimmt werden, sollen in der Einladung mitgeteilt werden.

(2) Die Auswahl der Probespielkandidaten erfolgt im Einvernehmen zwischen der Fachgruppe, dem Orchestervorstand und dem musikalischen Leiter des Orchesters.


Artikel 6 (Erster Probespieldurchgang)

Im ersten Probespieldurchgang spielt jeder Kandidat das in der Ausschreibung genannte Pflicht-Solostück. Es können ein weiteres Solostück und/oder Orchesterstellen verlangt werden.


Artikel 7 (Schluss des ersten Durchganges)

(1) Nach dem ersten Durchgang berät sich das Orchester unter Anhörung der Fachgruppe und des musikalischen Leiters und stimmt mit einfacher Mehrheit über die Auswahl der Kandidaten ab, die in den zweiten Durchgang kommen. Über jeden Kandidaten ist dabei einzeln abzustimmen. Unabhängig von der Entscheidung des Orchesters kann die Fachgruppe weitere Kandidaten benennen.

(2) Alle Beratungen und Abstimmungen finden in Abwesenheit der Bewerber statt.


Artikel 8 (Zweiter Probespieldurchgang)

(1) Im zweiten Probespieldurchgang werden von den verbliebenen Kandidaten weitere Pflichtstellen (Orchesterstellen) bzw. ein weiteres Solostück verlangt.

(2) Zur Erprobung des Vom-Blatt-Spielens können im Einvernehmen zwischen Orchestervorstand und musikalischem Leiter zusätzlich weitere, von der Fachgruppe vorgeschlagene Orchesterstellen vorgelegt werden.

(3) Alle Kandidaten spielen dieselben Orchesterstellen.


Artikel 9 (Schluss des zweiten Durchgangs)

(1) Nach dem zweiten Durchgang berät sich das Orchester erneut und stimmt offen oder geheim ab, ob ein Kandidat zur Anstellung vorgeschlagen werden soll.

(2) Ein Kandidat kann nicht zur Anstellung vorgeschlagen werden, wenn ihn die Fachgruppe nach ausführlicher Begründung mehrheitlich ablehnt.

(3) Erhält kein Kandidat die Stimmen der Mehrheit der anwesenden stimmberechtigten Orchestermitglieder (ohne Stimmenthaltungen), kann ein weiterer Durchgang beschlossen werden. Für den Schluss dieses weiteren Durchgangs gilt Abs. 1 entsprechend.


Artikel 10 (Ergebnis des Probespiels)

Der Orchestervorstand hält das Ergebnis des Probespiels (Stimmenverhältnisse bei den verschiedenen Kandidaten) schriftlich fest und vertritt die Auffassung des Orchesters gegenüber dem Arbeitgeber. Die Stellungnahme gegenüber dem Arbeitgeber kann auch eine Empfehlung zu der Frage einschließen, ob der Kandidat für die Probezeit einen kündbaren Arbeitsvertrag oder einen Zeitvertrag erhalten soll.


Artikel 11 (Ausnahmen)

In begründeten Ausnahmefällen kann durch Beschluss des Orchesters auf die Durchführung eines Probespiels verzichtet werden. Artikel 9 Abs. 2 bleibt unberührt.



Berlin, im März 2006